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elisa6666

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Hallöchen.
Ich habe mich entschieden, mich in diesem Forum anzumelden, da ich mein Umfeld nicht weiterhin übermäßig mit meinen teils irrationalen Ängsten konfrontieren möchte.
Ich bin nun seit Oktober letzten Jahres in psychologischer Behandlung aufgrund meiner Depression. Das ganze begann, als ich im Sommer die Schule gewechselt habe. Wegen meines Asperger Autismus fiel es mir unheimlich schwer, neue Kontakte zu knüpfen und isolierte mich infolge selbst. Meine Noten waren zuvor sehr gut, verschlechtern sich jedoch rasant, was ich mit mir selbst nicht vereinbaren konnte, woraus sich zusätzlich ein enormer Selbsthass entwickelte. Aufgrund dessen wurde ich mit dem Antidepressivum Escitalopram behandelt, erst 5mg, dann 10mg, später 15mg. Ich selber spürte über die Monate hinweg kaum einen Unterschied, allerdings wurde ich mit der Zeit immer offener, auch im Kontakt zu fremden Personen. Infolgedessen verlor ich später so gut wie alle Hemmungen und habe mich darauf eingelassen, im Internet neue Kontakte zu knüpfen. Natürlich ist an sich nichts dabei, jedoch habe ich unglücklicherweise die falsche Person kennengelernt. Inzwischen war es bereits März und ich nahm die 15mg bestimmt schon 2 Monate. Jedenfalls habe ich mich mit der vermeintlich netten Internetbekanntschaft zwei Mal getroffen. Das erste Mal ging auch noch alles gut, ich habe Freude empfunden. Das zweite Mal hat mein Gegenüber mein Vertrauen ausgenutzt und mich vergewaltigt. Daraufhin folgte ein weiteres Tief. Selbst nach dieser Aktion fiel es mir schwer, den Kontakt zu der Person abzubrechen, habe es mit meiner Psychologin allerdings letztendlich geschafft.
Seitdem bin ich emotional vollkommen verwirrt, habe ab und zu noch Flashbacks von dem Vorfall und habe Probleme, die Realität von meiner Vorstellung zu trennen. Ich bin absolut verzweifelt und weiß nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Zwischendurch habe ich positive Momente, aber im nächsten falle ich direkt wieder in dieses emotionale Loch. Die einzige Quelle, aus der ich heute noch Freude schöpfen kann, ist mein Freund, den ich zum Glück nach diesem Vorfall noch kennengelernt habe. Aber aufgrund meines geringen Selbstbewusstseins habe ich manchmal das Gefühl, nicht genug zu sein und denke mir, dass es doch sicher interessantere Menschen als mich gibt. Was ist, wenn von heute auf morgen alles vorbei ist und ich wieder alleine bin? Das Gleiche gilt allerdings für meine Freunde. Ich habe ebenfalls enorme Angst, sie zu verlieren oder zu enttäuschen, was mich verrückt macht. Jede Sekunde denke ich darüber nach, sie alle von einem Tag auf den anderen zu verlieren. Dieses Gefühl löst starke Panik in mir aus, die sich aus dem Nichts entwickelt. Manchmal kann ich nachts nicht einmal einschlafen. Mir ist oftmals so übel, dass ich mich beinahe übergeben muss. Ich bin zwar gerade dabei, mit meiner Psychologin Methoden gegen diese aufkommenden Panikattacken auszuarbeiten, aber diese richten sich nur auf diesen einen Moment. Ich habe ein wirklich permanentes Gefühl der Angst und weiß nicht, was ich dagegen tun soll. In manchen Momenten verletze ich mich sogar selbst, weil ich nicht weiß, wie ich meine Emotionen regulieren soll und hätte ich beinahe einmal selbst getötet.
Das war jetzt ein ziemlich langer Text und ich danke wirklich jedem, der sich die Zeit genommen hat, ihn sich durchzulesen. Es tat auf jeden Fall gut, darüber zu schreiben und vielleicht hat jemand ja ähnliche Probleme.

08.08.2019 19:21 • 11.08.2019 #1


4 Antworten ↓


prodomo81

prodomo81


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Zitat von elisa6666:
Hallöchen.Ich habe mich entschieden, mich in diesem Forum anzumelden, da ich mein Umfeld nicht weiterhin übermäßig mit meinen teils irrationalen Ängsten konfrontieren möchte.Ich bin nun seit Oktober letzten Jahres in psychologischer Behandlung aufgrund meiner Depression. Das ganze begann, als ich im Sommer die Schule gewechselt habe. Wegen meines Asperger Autismus fiel es mir unheimlich schwer, neue Kontakte zu knüpfen und isolierte mich infolge selbst. Meine Noten waren zuvor sehr gut, verschlechtern sich jedoch rasant, was ich mit mir selbst nicht vereinbaren konnte, woraus sich zusätzlich ein enormer Selbsthass entwickelte. Aufgrund dessen wurde ...


Hallo,
das sind ja eine Menge Päckchen respektive Infos.
Es ist schon mal gut, dass du medizinische und therapeutische Hilfe in Anspruch nimmst und diese dir auch hilft. Find ich toll! Die Angst Menschen zu verlieren, die einem wichtig sind, kennt jeder, das Maß ist hier entscheidend. Ergo, wie stark diese Angst ist. Bei Selbsthass ist es vermutlich schwierig in das Vertrauen zu setzten, dass du ihnen ebenfalls wertvoll bist, so wie sie dir. Ich stoße bei Asperger leider an meine Wissensgrenzen bezüglich Selbsthass und Emotionsverarbeitung. Das wird deine Therapeutin mit dir aber sicher auch in den Griff kriegen. Hab Geduld, versuche zu Vertrauen (auch wenn nur ein klein wenig zu Anfang) und bleib auf deinem Weg. Er ist anfangs steinig...geht manchmal Berg ab aber auch wieder hoch!

09.08.2019 08:15 • x 1 #2


Hotin

Hotin


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Hallo elisa,

schön, dass Du hier ins Forum gekommen bist.

Aus Deinem Beitrag lese ich heraus, dass Du schon seit längerer Zeit ein
höheres Bedürfnis nach Sicherheit hast. Dies ist verständlich.
Gut finde ich, dass Du nicht nur einen engen Freund an Deiner Seite hast sondern auch
weitere andere Freunde hast.
Warum solltest Du Deine Freunde verlieren? Bitte stelle Dir das nicht vor.

Du sprichst davon, dass Du ein geringes Selbstbewusstsein fühlst. Versuche
immer wieder darüber nachzudenken, wie Du es schaffen kannst, Dein
Selbstbewusstsein zu stärken. Dies hilft Dir, innerlich mehr Ruhe zu bekommen.

Sicherlich kann Dir auch Dein Therapeut dabei helfen.
Zitat:
Jede Sekunde denke ich darüber nach, sie alle von einem Tag auf den anderen zu verlieren.
Dieses Gefühl löst starke Panik in mir aus, die sich aus dem Nichts entwickelt.


Deine Panik kommt nicht aus dem Nichts. Du beschreibst es hier sehr anschaulich, wie
sich die Panik entwickelt. Du denkst oft stundenlang darüber nach, was Dir Schlimmes
passieren kann. Und dann kommst Du verständlicherweise in eine Angstschleife hinein.

Welchen Rat würdest Du einem Freund geben, wenn er das genauso macht?

Zitat:
Ich bin absolut verzweifelt und weiß nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Zwischendurch habe ich positive Momente, aber im nächsten falle ich direkt wieder in dieses emotionale Loch.


Bitte sei nicht verzweifelt. Anstatt darüber nachzudenken, was Dir Schlimmes passieren kann,
lenke ständig Deine Gedanken darauf, was Du in den nächsten Tagen, Monaten und Jahren mit Deinem
Leben anfangen möchtest.
Dir Deine Wünsche vor Deinem gedanklichen Auge anzusehen und Dir Schönes für Deine
Zukunft vorzustellen wird Deine innere Ruhe wieder etwas zurückbringen.

Viele Grüße

Bernhard

09.08.2019 08:40 • x 1 #3


elisa6666

elisa6666


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Erstmal danke für die ausführliche Antwort @Hotin

Zitat:
Welchen Rat würdest Du einem Freund geben, wenn er das genauso macht?

Mein rationaler Teil würde sagen, dass es keinen Sinn ergibt, jemanden von einem Moment auf den anderen zu verabscheuen, da es für so etwas immer einen Grund geben muss, den ich auch auf jeden Fall ansprechen würde. Ich weiß nur nicht, ob das auch jeder tun würde. Ich hatte bereits Bekanntschaften, die sich über einen gewissen Zeitraum immer weiter distanziert haben, ohne eine Erklärung abzugeben, was ich ziemlich verwirrend fand. Aber selbst wenn, ich würde den Prozess auf jeden Fall miterleben, das stimmt.

Zitat:
Aus Deinem Beitrag lese ich heraus, dass Du schon seit längerer Zeit ein
höheres Bedürfnis nach Sicherheit hast. Dies ist verständlich.


Das stimmt, darüber habe ich noch gar nicht so intensiv nachgedacht. In meinem Leben findet zurzeit sehr viel Veränderung statt, oder eher gesagt sorge ich für die Veränderung, da ich keine Lust mehr auf mein Leben habe, wie es bisher abläuft. Eigentlich versuche ich dabei, alles zu nehmen wie es kommt und möglichst locker zu bleiben, während mein inneres Ich allerdings verkrampft und versucht, einen Zustand zu finden, der sich niemals verändern wird und für immer so bleibt, wie er jetzt ist, damit mich nichts aus der Bahn werfen kann.

Wenn ich über meine Zukunft nachdenke, bzw. über die nächsten Jahre, überkommt mich jedoch die nächste Panik, weil ich nicht weiß, ob alles so ablaufen wird, wie ich es mir vorstelle, was mich verrückt macht. Ich habe das Bedürfnis, alles kontrollieren können zu müssen, was natürlich nicht möglich ist..

09.08.2019 10:12 • x 1 #4


Hotin

Hotin


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Hallo elisa,
Zitat:
Mein rationaler Teil würde sagen, dass es keinen Sinn ergibt, jemanden von einem Moment auf den anderen
zu verabscheuen, da es für so etwas immer einen Grund geben muss,


wenn das Dein rationeller Teil sagt, dann ist Deine Angst unbegründet.

Zitat:
Ich hatte bereits Bekanntschaften, die sich über einen gewissen Zeitraum immer weiter distanziert haben,
ohne eine Erklärung abzugeben, was ich ziemlich verwirrend fand.


So etwas halte ich für eine ganz normale Entwicklung. Bekanntschaften, Freundschaften
und auch Partnerschaften funktionieren wie ein Lagerfeuer.
Nur wenn man immer wieder neu etwas in die Freundschaft investiert, bleibt sie bestehen.
Wenn eine von beiden Seiten nichts mehr investiert, brennt das Feuer langsam aus.

Zitat:
In meinem Leben findet zurzeit sehr viel Veränderung statt, oder eher gesagt sorge ich für die Veränderung,
da ich keine Lust mehr auf mein Leben habe, wie es bisher abläuft.


Das hört sich gut an. Veränderungen bringen oft Schwung ins Leben. Du solltest nur
bemüht sein, die Änderungen dorthin zu steuern, Dass Du zufrieden wirst.

Zitat:
Eigentlich versuche ich dabei, alles zu nehmen wie es kommt und möglichst locker zu bleiben, während mein
inneres Ich allerdings verkrampft und versucht, einen Zustand zu finden, der sich niemals verändern wird und für
immer so bleibt, wie er jetzt ist, damit mich nichts aus der Bahn werfen kann.


Ich finde es sehr gefährlich, wenn ein Mensch versucht alles so zu halten, dass sich niemals etwas verändern
und verschlechtern darf. Damit legt man die Grundlage für Ängste und Unzufriedenheit.

Zitat:
Wenn ich über meine Zukunft nachdenke, bzw. über die nächsten Jahre, überkommt mich jedoch die nächste Panik,
weil ich nicht weiß, ob alles so ablaufen wird, wie ich es mir vorstelle, was mich verrückt macht.


Das Gegenteil ist eher der Fall. Sei froh, dass Du noch nicht weißt, was alles auf Dich
zukommt. Es wäre schlimm, wenn Du jetzt schon wüsstest, was in den nächsten
Jahren in Deinem Leben passiert. Dann wäre alles ziemlich langweilig und
uninteressant.

Zitat:
Ich habe das Bedürfnis, alles kontrollieren können zu müssen, was natürlich nicht möglich ist.


Wenn Du weißt, dass Du nicht einmal annähernd alles kontrollieren kannst,
warum schadest Du Dir ständig damit, dass Du es immer wieder versuchst?

Viele Grüße

Bernhard

Gerade eben • #5



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser


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