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201719.05




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Hallo liebe Community.
War bis seit einem Jahr eigentlich nur immer Mitleser und habe gehofft, dass ich doch noch irgendwann eine Antwort finde, wie ich die Brechangst überwinden kann. War so gut wie überall im Netz unterwegs.
Es scheint ja verschiedene Arten von dieser Phobie zu geben. Die Angst liegt bei mir aber nicht beim Akt des Erbrechens selber, sondern wann und wo dies passiert/passieren könnte, bzw. wie das Umfeld reagiert. Damals war ich sogar noch erleichtert, dass ich erbrochen habe, sodass ich ohne Probleme rausgehen kann, auch wenn ich total sauer war, dass jetzt alles raus ist. Mittlerweile habe ich schon seit Monaten nicht mehr erbrochen (im Vergleich zu damals schon ein riesen Schritt). Trotzdem bin ich nicht in der Lage, Dinge mit Freunden zu unternehmen, neue Dinge zu entdecken oder ohne Sorgen auswärts zu essen. Die Lage hatte sich mit der Zeit eigentlich immer verschlimmert. Es hat mit 14 angefangen und mittlerweile bin ich 21. In den Foren habe ich oft gelesen, dass die Leute nur die Angst haben, aber so gut wie nie in der Öffentlichkeit erbrochen haben. Bei mir eher der umgekehrte Fall. Musste mich schon öfters in Öffentlichkeit übergeben, was wohl die Angst verstärkt hat.

Mittlerweile fragen die übrig gebliebenen Freunde auch kaum mehr, ob sie was unternehmen wollen, da ich sowieso immer absage. Bin halt einsamer geworden als damals. Klassenfahrten waren alle der absolute Horror (aber fast alle mitgemacht). Auch bei kleinster Aufregung (vor Klausuren bspw.) wird mir schon extrem übel.

Nehme jetzt seit knapp einem Jahr 50mg Sertralin. Aus meiner Sicht eigentlich kaum Besserung. Tavor habe ich gelegentlich eingenommen, aber hat auch überhaupt keinen Effekt gehabt.
Bin total am verzweifeln. Ist ja nicht so, als ob es irgendwann besser wird. Es wird ja nur schlimmer und kann dagegen nichts unternehmen. Jeden Versuche den ich probiere, um etwas zu unternehmen würde es nur verschlechtern, da ich immer zu 100% würgen muss. Therapie bin ich auch noch ab und zu dabei. Bringt auch nicht wirklich viel was, außer dass ich mit jemandem darüber reden kann. Entspannungsübungen = 0 Hilfe.

In den Foren gibt es eigentlich nur Hilfesuchende. Aber ich würde doch nochmal gerne nach Tipps fragen, wie ich diese Phobie wegkriege.

Danke schonmal im voraus. :-)

Auf das Thema antworten


9395
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BaWü
4619
  19.05.2017 19:48  
Hallo Happy, willkommen hier im Forum.

Vielleicht hilft dir das. Deine Angst hat damit zu tun, dass du dich schämst, wenn du Erbrechen musst. Dadurch kommst du in eine Erwartungshaltung, die dann natürlich genau das verursacht, was dein Supergau ist. Nur logisch.

Dahinter mag mangelndes Selbstbewusstsein stecken, wie eigentlich hinter allen Ängsten steckt, wenn man man ganz ehrlich zu sich selbst ist.

Meiner Meinung nach fürchten wir uns vor vor dem aussen. Hypochonder fürchten sich vor dem innen. Ok, ist Küchenpsychologie, ist aber wurst, denn Furcht - Angst ist das, was uns belastet und es fällt unendlich schwer, zu erkennen, dass Meinungen anderer nicht unbedingt wichtig sind, bzw. Man eh nicht weiss, was andere denken.

Wenn du erbrichst, denk ich vielleicht, der arme Kerl, ob der wohl krank ist? Ein anderer denkt, schei. Typ, hat wohl gesoffen. Oder, mein Gott, wenn der wüsste, dass ich mich mit Emetophobie rumschlagen muss, und jetzt, oh je.

Deswegen wird deine Kotzerei nicht weniger, egal,was andere denken. Ergo muss man zu seinem Problem stehen.

Es wird wird schlecht, gut, Pack ne Tüte ein und verzieh dich um die Ecke, denn, es nicht haben zu wollen, funktioniert nicht, merkst du ja selbst.

So blöd das klingt, man muss zu seiner Problematik stehen. "Leute, ihr wisst, ich hab einen nervösen Magen, also kann es gut sein, dass ich meine Tüte brauche. Sorry, anders wär mir auch lieber, ist aber so".

Je leichter du zur Problamtik stehen kannst, desto weniger belastet sie. Übrigens, Resquetropfen, so für den Anfang, helfen da auch.

Danke2xDanke




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  19.05.2017 21:19  
Danke Icefalki für die schnelle Antwort.

Das mit dem Selbstbewusstsein habe ich auch gelesen und es stimmt, dass mein Selbstbewusstsein ziemlich am *rsch ist. Das kommt wohl davon dass man meine Eltern mir soviel Arbeit abgenommen haben und die Schulzeit auch nicht so die beste war.
In der Therapie wurde mir gesagt, mir soll die Meinung anderer egal sein. Aber in der Realität sieht das nunmal anders aus. Da ist es nicht einfach so: "Mir egal" nachdem man jahrelang mit einer anderen Einstellungen durchs Leben läuft. Ich glaube dieses "Schei* egal-Gefühl" kriegt man wirklich nur durch stärkeres Selbstbewusstsein. Frage ist nur, wie stärkere ich mein Selbstbewusstsein, wenn diese dumme Übelkeit mein Leben einschränkt.



9395
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BaWü
4619
  19.05.2017 22:49  
In dem du dein Hirn einschaltest und dir überlegst, ob du so weiter machen möchtest. Aus Scham, nicht für voll genommen zu werden, wird dir schlecht. Dir wird aber aber nur als Symptom schlecht.

Schau, alle wursteln wir uns durchs Leben. Haben unsere Erfahrungen gemacht, wurden familiär und von aussen geprägt. D.h. wir haben uns ein Mäntelchen umgehängt um uns sicher zu fühlen. Klappt ja auch, bis eines Tages, aus heiterem Himmel irgendwas passiert. Etwas, das uns total aus der Bahn wirft. Mag bei dir eine soziale Unsicherheit (mangelndes Selbstbewusstsein) mit der körperliches Reaktion des Erbrechens stattgefunden haben. Oberpeinlich, der totale Horror. Folglich fürchtest du nun den Kontakt, nicht weil du ein mangelndes Selbstbewusstsein siehst, sondern weil du dein Erbrechen drüber stellst. Ich war nicht besser. Ich bekam meine erste Attacke beim Autofahren und bin echt beinahe kollabiert. Ergo, hab ich abgespeichert, Autofahren ist Monstermässig und und und. Ich erspare dir, was dann noch alles kam.

Viele, viele Jahre später kam der Zusammenbruch, die Therapie. Und als Erkenntnis war es nicht das Autofahren, nicht die anderen, nein, es war ich selbst.

So zu tun, als ob alles Ok ist, das war das Problem. Und wenn soziale Probleme die Ursache sind,kannst du dir überlegen, ob du dich weiterhin damit selbst bestrafen möchtest, verzweifelt um den sozialen Rang zu kämpfen, oder einfach akzeptierst, evtl. Ein bisschen weniger der taffe junge Mann zu sein und eben etwas kleinere soziale Brötchen backen zu wollen.

Du einfach nur du selbst bist. Dann brauchst du keine Angst mehr haben, kannst freundlich deinen Mitmenschen begegnen und lebst dein eigenes Leben. Streb nicht danach, was für andere ok ist, wenn's dir dabei buchstäblich den Magen umdreht.

Selbstbewusstsein, mein Gott, wie oft schreib ich das hier, hat damit zu tun, sich zu kennen und sich mit allen Facetten zu akzeptieren. Dann erst bist du dir selbst bewusst. Hast du Schwächen? Ja, natürlich, also steh dazu. Verflixt, wir sind dermassen vielschichtig, also, akzeptiere das.

Und wenn du dich akzeptierst, dann mach das auch bei anderen. Ich leb mein Leben, du lebst dein Leben.

Und so blöd es jetzt klingt, durch unsere Ängste bekommen wir auch Chancen. Ich bin immer noch der Meinung,dass bissel schräg drauf den Einheitsbrei aufwertet. Die tollsten Menschen denen ich begegnet bin, waren die, die an sich gearbeitet haben und dadurch gereift sind. Gut, ist vielleicht meine schräge Meinung, aber mit Oberflächlichkeiten mag ich mich eh nicht abgeben, bzw. das langweilt mich. Aber selbst das ist deren Sache.

Du bist noch sehr jung. Es braucht alles seine Zeit. Versuch dich selbst zu finden. Kannst auf mein Profil gehen und das Gedicht von Chaplin lesen, anlässlich seines 70. Geburtstag. Und wenn sich Berühmtheiten solche Gedanken machen, kannst du feststellen, dass selbst diese Menschen viel an sich arbeiten mussten.

Danke1xDanke
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