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 Betreff des Beitrags: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 08.Aug.2010, 16:25 
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Registriert: 19.Mai.2010, 19:53
Beiträge: 133
Wohnort: Frankfurt
Irgendwie habe ich zu lange gezögert und nicht erkannt, dass ich nach 11 Jahren es wieder mit einer Form der Panik zu tun habe, die nicht von alleine wieder gut wird.
Ich konnte nicht mehr zu meiner Therapeutin, nicht mit einem Menschen sprechen, nicht raus, nicht drin bleiben und nichts mehr.

Mir war nicht klar, dass das ein echter psychiatrischer Notfall ist und einer Behandlung zugeführt werden muss. Dass das eine Form von Panik ist, die nicht verhaltenstherapeutisch angegangen werden, sondern einfach nur noch durch Medikamente therapiert werden kann.

Nun geht es mir schon etwas besser. Die Psychiaterin hat mich sehr einfühlsam aber konsequent zu einer medikamentösen Therapie geführt.

Ich kann nur jedem raten, der hilfos im Strudel von Angst und Panik treibt und glaubt, wenn er sich nur mehr anstrengen würde, dann würde der Wahnsinn enden: begebt Euch frühzeitig in fachmedizinische Behandlung. Es gibt Angstzustände die man als Patient nicht managen kann, egal wie sehr man sich anstrengt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 08.Aug.2010, 18:57 
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Registriert: 01.Aug.2009, 23:02
Beiträge: 121
Wohnort: bei Berlin
hallo nell!

dein schicksal in allen ehren, aber ich glaube, dass jeder auch ohne medikamente auskommen kann. sicherlich mag es fälle geben, wo angstpatienten ohne medikamente schlecht therapierbar sind, aber pauschal ausschließen würde ich das nicht. es kommt auch immer auf den therapeuten drauf an, also wie fähig dieser ist und wie gut man mit ihm kann.

ich spreche da schon aus erfahrung. nach 7 jahren angststörung war es bei mir so schlimm, dass ich schon beim gedanken das haus zu verlassen panik bekam. ich landete dann per rettungswagen in der notaufnahme und hätte von heut auf morgen in die psychiatrie gekonnt. ich entschloss mich aber zu meiner mutter zu gehen und dort erstmal zu bleiben. anfangs war es alles schrecklich und ich war ständig panisch. habs dann geschafft zu einem therapeuten zu gehen und später in eine tagesklinik zu gehen. überall wurde mir geraten, dass ich doch dieses oder jenes nehmen sollte, weil es dann leichter wäre. ich entschied mich dagegen, da ich 1. angst vor medis haben und 2. an anderen gesehen habe, dass es denen auch nicht viel besser ging. im gegenteil, die waren sich nicht mal sicher, ob ihre derzeitigen symptome nun von der panikstörung kamen oder von den medis. für mich ist das eine zusätzliche unsicherheit. schließlich muss man das zeug irgendwann mal wieder ausschleichen und weiß vorher auch nie, ob die therapie nun wirkung zeigte oder ob es nur die medis sind.

nun, es wurde wieder etwas lang, aber das thema scheint mir wichtig genug zu sein. und nur um das nochmal deutlich zu sagen. wer meint er/sie braucht medikamente, dann bitteschön. das muss jeder selbst entscheiden. aber bitte hier nicht behaupten, dass es ohne medis nicht geht, das stimmt nämlich nicht.

lg


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 08.Aug.2010, 19:20 
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Registriert: 22.Jan.2010, 23:49
Beiträge: 3312
Wohnort: Berlin (Spandau/Staaken)
Ich bin auch kein Fan von Medikamenten, sehe es aber trotzdem nicht generell ablehnend. Die Therapie kann auch nicht immer alles erreichen und selbst wenn sie viel bringt, manche rennen innerhalb von Jahren zu mehreren Therapien und erst die 3. oder 4. bringts dann. Und man darf auch nicht vergessen, dass das Wissen aus der Therapie erstmal umgesetzt werden muss und allein das kann dauern, mitunter Jahre.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 08.Aug.2010, 19:40 
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Registriert: 25.Jan.2008, 21:22
Beiträge: 2673
Das
Nell hat geschrieben:
Ich konnte nicht mehr zu meiner Therapeutin, nicht mit einem Menschen sprechen, nicht raus, nicht drin bleiben und nichts mehr.
vs. das

Samadhi hat geschrieben:
ich entschloss mich aber zu meiner mutter zu gehen und dort erstmal zu bleiben.
macht den Unterschied. Wenn man keine Rückzugsmöglichkeiten mehr hat und nichts und niemanden, die Angst zu lindern, ist das definitiv ein psychiatrischer Notfall.

Samadhi hat geschrieben:
überall wurde mir geraten, dass ich doch dieses oder jenes nehmen sollte, weil es dann leichter wäre. ich entschied mich dagegen, da ich 1. angst vor medis haben und 2. an anderen gesehen habe, dass es denen auch nicht viel besser ging.
Es gibt viele, die sich v.a. aus Angst vor Medikamenten gegen diese entscheiden. Oft hört man auch, Medikamente würden eh nicht oder nicht genug helfen, oder es sich leichter zu machen ist nicht Grund genug, sich an Medikamente ranzutrauen. Das muss natürlich jeder selbst wissen, aber diejenigen, die sich allein nicht mehr vor die Tür trauen und ohne fast permanente Unterstützung durch ihre Angehörigen nicht mehr alltagstauglich sind, machen sich m.E. was vor bzw. leisten sich im Verzicht auf die medikamentöse Behandlungsoption einen gewissen "Luxus".

Samadhi hat geschrieben:
aber bitte hier nicht behaupten, dass es ohne medis nicht geht, das stimmt nämlich nicht.
Das behauptet doch niemand.

Liebe Grüße
Christina

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"Wer nichts weiß, muss alles glauben." (Marie von Ebner-Eschenbach)


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 08.Aug.2010, 20:09 
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Registriert: 01.Aug.2009, 23:02
Beiträge: 121
Wohnort: bei Berlin
nur mal noch zur anmerkung... ich kam in die notaufnahme, weil ich citalopram genommen hatte...

nicht jeder verträgt das zeug. ich bin strickt der meinung, dass wenn man schon medikamente nehmen will/muss, sich dann in eine klinik begeben sollte um dort auf medis eingestellt zu werden und unter beobachtung zu sein.

ich las aus dem startpost eine gewisses maß an 'panikmache' raus. von wegen: 'ohne medis geht es nicht'. ich weiß genau, dass sich hier mindestens jetzt ein dutzend leute gedanken machen, ob sie jemals ohne medis aus ihrer angst-/panikstörung wieder rauskommen.

es gibt unbestritten fälle, wo das der fall ist. die regel ist aber, dass man sich die angst/panik antrainiert hat, alles eben psychisch ist und von daher es nicht förderlich ist sich zuzudröhnen. wenn man einen psychiatrischen psychotherapeuten sein eigen nennen kann, ist das wieder was andres, weil man dann zumindest noch eine therapie macht und nicht eben nur medis nimmt.

das nur nochmal zur klarstellung. ansonsten habt ihr natürlich schon alle recht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 08.Aug.2010, 20:27 
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Registriert: 22.Jan.2010, 23:49
Beiträge: 3312
Wohnort: Berlin (Spandau/Staaken)
Samadhi hat geschrieben:
nur mal noch zur anmerkung... ich kam in die notaufnahme, weil ich citalopram genommen hatte...
Ich auch, wegen Cipralex.

Fakt ist doch aber, es gibt viele Meinungen, auch von Fachleuten. Da wird z.T. nach Studien behauptet, SSRI's bringen eigentlich nichts und machen, entgegen aller Behauptungen, abhängig. Sogar die Suizidrate soll unter SSRI um 50% ansteigen. Von einem Arzt hab ich mal gelesen, SSRI's gehören auf der Liste der AD an die letzte Stelle. Wenn man zu dem Thema viel liest, dann kann man sich schon fragen, wie gut sind denn nun eigentlich diese angebliche guten, neuen Medikamente.

Andere wiederum behaupten, es gibt nichts besseres als SSRI's.

Generell würde ich aber sagen, was die Nebenwirkungen angeht, da haben AD einen zu schlechten Ruf in den Köpfen vieler Leute. Auch, weil ich mir sage, es gibt genügend andere Krankheiten, wo Menschen auch Medikamente nehmen müssen und die Nebenwirkungen sind schlimmer. Mein Vater muss wegen künstlicher Herzklappe Blutverdünner nehmen, Betablocker und Blutdrucktablette. 1 Erkrankung, 3 Tabletten täglich und er hat mehr mit den Nebenwirkungen zu kämpfen, als jemand, der 1 AD nimmt. Oder Leute mit Parkinson, MS oder Epileptiker, die nehmen z.T. auch Medikamente mit übelsten Nebenwirkungen.

Nun ist es natürlich ein Unterschied, ob jemand ohne sein Medikament sterben würde oder ob es sich um eine psych. Störung handelt, bei der man sich zwar schlecht fühlt, sterben wird man aber ohne AD nicht. Allerdings kommt es auch auf die Schwere der psych. Erkrankung an, siehe Robert Enke, der mit AD heute vielleicht noch leben würde. Meines Wissens wollte er aber weder AD, noch regelmäßige Therapie. Es endete mit dem Tod.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 09.Aug.2010, 09:57 
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Registriert: 19.Mai.2010, 19:53
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Wohnort: Frankfurt
Ich habe nie behauptet,dass es ohne Medis nicht geht.
Ich weiß wie gefährlich Medis sein können.
Ja, ich habe auch wegen Nebenwirkungen schon die Notaufnahme aufsuchen müssen.

Und trotzdem: es geht um "psychiatrischer Notfall"; da erreicht die Angst ein Maß, welches ein Mensch nicht mehr steuern kann. Wo ein Mensch auch zu anderen Menschen, oder gerade zu anderen Menschen keinen Kontakt mehr zulässt und wo es sich so zuspitzt, dass ein Mensch mit seinem Leben kämpft. Darum geht es mir und um die, die das erleben und dann glauben, es läge an ihnen, und sie müssten sich nur mehr Mühe geben. Diese wollte ich ermutigen sich schnell fachliche Hilfe zu suchen.

Wenn das bei Dir mit mütterlichem Beistand dann anders gut geklappt hat, freut mich das sehr.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 09.Aug.2010, 10:37 
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Registriert: 01.Aug.2009, 23:02
Beiträge: 121
Wohnort: bei Berlin
okay, dann entschuldige, da habe ich dich wohl nicht so ganz richtig verstanden. und du hast ganz recht - bevor man sich zu hause zu tode leidet und sich dafür auch noch selbst die schuld gibt, ist es allemal besser sich die möglichkeit einer medikamentösen therapie offen zu halten. man sollte keinesfalls davor zurückscheuen einen notarztwagen zu rufen oder selbst (wenn das überhaupt geht) in die rettungsstelle zu gehen.
ein wenig vorsicht ist dabei dennoch geboten. wenn man vorhat(te) sich das leben zu nehmen und das dort sagt, bekommt man mit ziemlicher sicherheit die möglichkeit dort zu bleiben (krankenhaus, meist aber psychiatrie). da kann einem geholfen werden. man sollte sich aber vorher schon drauf einstellen möglicherweise dort bleiben zu müssen, weil als (stark) suizidgefährdeten dürfen sie dich nicht einfach so laufen lassen. das nur noch so als info. man bleibt dort auch dann nicht ein leben lang. die fälle, die ich kenne, waren ein paar wochen bis max. 3 monate dort und es ging ihnen danach besser. im anschluss begann für die meisten eine weiterführende therapie (tagesklinik oder ambulant).

wer nicht gleich in die rettungsstelle will und erstmal nur rat, der kann sich auch an eine psychiatrische institutsambulanz in der nähe wenden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 10.Aug.2010, 22:25 
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Registriert: 19.Mai.2010, 19:53
Beiträge: 133
Wohnort: Frankfurt
Citalopram und Citralex

Citralex ist das Eutomer von Citalopram: das biologisch aktivere Enantiomer eines chiralen Wirkstoffs. Diese Nomenklatur wurde nach einem Vorschlag von Everhardus J. Ariens (1918–2002) eingeführt. Biologisch inaktive Enantiomere werden demnach Distomere genannt.

Beide wurden von dem dänischem Pharma-Unternehmen Lundbeck im Jahr 1989 erfunden und patentiert.

Warum seid Ihr denn in die Notaufnahme gekommen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Panik zum psychiatrischen Notfall wird
BeitragVerfasst: 10.Aug.2010, 22:58 
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Registriert: 22.Jan.2010, 23:49
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Nell hat geschrieben:
Warum seid Ihr denn in die Notaufnahme gekommen?
Wegen extremer PA und Angst unter Cipralex. Und das hatte ich weder vor, noch nach Cipralex. Ich hab so gezittert, ich konnte kaum noch laufen. Gefühlter Blutdruck 220/160 und Herzschlag 180. Es mag ja sein, dass das bei SSRI so ist und man am Anfang auch verstärkte Symptome hat, aber so extrem? Auch wenn es anderen hilft, für mich hat so ein Medikament keine Daseinsberechtigung, ist eine echte Zumutung. Den Hersteller müsste man auf Schmerzensgeld verklagen. :biggrin

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