Angefangen hat es bei mir - wie bei den meisten - ohne erkennbaren Grund.
Ich war im Fitnessstudio, saß auf einem Spinningrad und las einen kleinen Text auf der Anzeige, in dem es hieß, wenn einem auf dem Rad plötzlich übel wird, solle man umgehend einen Arzt aufsuchen. Und ich dachte mir für eine Millisekunde "Ohje, was wäre denn jetzt, wenn mir plötzlich schlecht werden würde?" Und eine weitere Sekunde später war ich mittendrin in meiner ersten Panikattacke. Natürlich wusste ich da noch nicht, was das ist und dachte ich hätte einen Herzanfall.
Ich war damals 18 und rief meinen Vater an, dass der mich abholen kommen solle. Ich lag dann eine Stunde zu Hause auf dem Sofa und hatte die Attacke.
Ich war darüber verwundert, dass meine sonst so ängstliche Mutter nicht so große Angst um mich hatte wie ich. Das war einfach deshalb, weil mein Zustand von außen gar nicht bedrohlich aussah, ich fühlte mich nur so. Die erste Attacke ging insgesamt ungefähr drei Tage mit immer unterschiedlicher Intensität.
Am dritten Tag kam meine Mutter von der Arbeit und erzählte mir sie habe mit einer befreundeten Heilpraktikerin gesprochen, die sich nach mir erkundigt hätte.
Ich hatte damals gerade eine schlimme Beziehung beendet mit einem Kerl, der mich mehrfach geschlagen und verletzt, beleidigt und bedroht hatte. Die Beziehung hatte neun Monate gedauert. Diese Heilpraktikerin hatte natürlich auch etwas davon mitbekommen, dass meine Beziehung alles andere als gesund war.
Jedenfalls diese Heilpraktikerin fragte meine Mutter, ohne dass sie von meinem momentanen Zustand wusste, ganz unvoreingenommen ob ich denn etwa Panikattacken hätte. Das sei keine Seltenheit, wenn man sowas mitgemacht habe. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich also, was das ist, was mit mir vorgeht.
Ich habe dann viel gelesen und hatte eine Sitzung bei dieser Heilpraktikerin. Sie hat mir viele Ansätze geliefert wo die Attacken her kommen könnten.
Meistens ist die Wurzel allen Übels schon eine Weile her, man hat überhaupt keine Idee warum man plötzlich Panikattacken hat. Die schlimme Beziehung war bei mir lediglich der Auslöser gewesen, der "das Fass zum Überlaufen gebracht hatte".
Mit 11, 12 Jahren hatte ich eine schlimme Phase gehabt. Meine Mitschüler hatten grundlos begonnen mich zu mobben. Ich war darüber so erschrocken, dass ich mich nie gewehrt habe, sondern versucht habe, es ihnen recht zu machen. Natürlich waren meine Versuche sinnlos und sie fanden immer neue Dinge, mit denen sie mich mobben konnten. Ich hatte also eine Erfahrung großer Hilflosigkeit und Machtlosigkeit, wodurch ich mich mit der Zeit wertlos fühlte. Dieses Gefühl ist mir erhalten geblieben, selbst nachdem die Mobberei irgendwann (ganz von allein) aufhörte.
Diese Geisteshaltung hat mir eine Reihe übler Beziehungen eingebrockt, in denen mich der Mann so behandelte, wie ich mich fühlte: als wäre ich nichts wert. Diese letzte Alptraumbeziehung war lediglich der Gipfel des Eisbergs.
Ich habe also eine ungefähre Vorstellung woher die PAs kommen, habe jedoch nie eine Therapie gemacht oder Ähnliches. Vielleicht hätte ich es tun sollen. Die Panikattacken sind mittlerweile meistens erträglich und ich kann ein einigermaßen normales Leben leben. Natürlich gibt es schlimme Tage und Rückschläge, die mich wieder an meinem Weg zweifeln lassen.
Vielleicht kommt der Tag, an dem ich die Sache mit einer Therapie mal in Angriff nehme.
So viel zu meiner Geschichte (ziemlich lang)
