setfields hat geschrieben:
Und ich kann generell nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob jemand überhaupt mein Vertrauen verdient hat. Ob er überhaupt unabhängig ist.
Hey, gute Gedanken! Wer von uns ist unabhängig? Und was bedeutet Vertrauen in jemanden, dieser Begriff, mit dem alle so gerne spielen und argumentieren? Ist das nicht eher der eine sich unendlich wiederholender Fehler von uns die Diskrepanz zwischen unserer Erwartungshaltung und der Realitätswahrnehmung als etwas von der Norm abweichendes zu sehen? Wer hat diese Norm erstellt? Wir selbst. In der Hoffnung es Gut zu haben. Aber jedes Gut wird mit Schlecht ausgewogen, das nennt sich Polarität und so lange man Gut als Ziel betrachtet, wird man an Schlecht leiden müssen. Im Grunde ist die Diskrepanz ein Problem, das seine eigene Lösung impliziert, was wir aber übersehen.
setfields hat geschrieben:
Und ob ich den Schutz der Einsamkeit überhaupt verlassen will, denn ich würde mich wohmöglich in Gesellschaft von Menschen befinden, die meine Erfahrungen nicht verstehen und mein Verhalten erst recht nicht. Und wenn doch, dann würde ich es auch wieder in Frage stellen.
Ja es ist so, es wird nie anders sein, die Frage ist nur wer das verdrängt und wer lernt dem keine Wichtigkeit zuzumessen.
setfields hat geschrieben:
Irgendetwas ist in mir kaputt gegangen. Ist Einsamkeit wirklich so schlimm, oder geht es nicht noch deutlich schlimmer?
Ich sehe nichts, was kaputt wäre, ich glaube du bist auf dem besten Weg in die Unabhängigkeit. Auch in deiner Beziehung siehst du keine Rettung vor der Einsamkeit und klammerst dich nicht an vermeintliche Sicherheiten.
Erfahrungen und Gefühle sind zwei unterschiedliche Dinge. Gefühle anhand der Erfahrungen (auch Erfahrung der Einsamkeit) entstehen nur wenn wir darum bemüht sind das Erlebte zu werten, zu kategorisieren. Und da kommt wieder die eigene Norm ins Spiel und sorgt für Turbulenzen hinsichtlich der Wirklichkeitsanpassung. All das ist überflüssig. Eine Erfahrung ist weder gut noch schlecht. Und der Zustand, den man durch Erfahrungen ohne Gefühlsverstrickungen erreicht, ist etwas echtes, und eventuell auch eine Grundlage dafür irgendwann echte Weggefährten zu finden. Garantien gibt es jedoch keine. Niemand von uns hat einen unbeschränkten Aktionsradius, und das ist das, was Leute damit meinen wenn sie sagen: das ist mein Schicksal, oder das ist eben eine Kette von Ursachen und deren Folgen, die wir nur zum Teil überblicken können.
Wenn du also merkst, dass du Unabhängigkeitserfahrungen machst, dass dir Einsamkeit, die im Grunde auch Unabhängigkeit bedeutet gut tut, kannst du das als Entwicklungsprozess sehen. Dabei gibt es keine negative Tendenzen so lange wir sie nicht in unserem Denken selbst erfinden.
Kompliziert? Ja und Nein.
Gruß
Manava